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Edelmetall–Legierungen

Feingehaltsangaben

Was sind Legierungen?

Im Grunde genommen sind (Edelmetall-)Legierungen nichts weiter als Mischungen aus mindestens zwei verschiedenen Stoffen mit metallischen Eigenschaften. Das können zum Beispiel Silber und Kupfer sein. Möglich ist aber auch die Kombination von einem Metall und einem Nichtmetall, wie zum Beispiel Stahl, der eine Legierung aus Eisen und Kohlenstoff ist. Das Besondere einer Legierung ist, dass sie gegenüber ihren Einzel-Komponenten andere Eigenschaften aufweist. Es entsteht also etwas völlig neues.

Warum wird legiert?

Sie werden sich vielleicht fragen, warum man überhaupt Edelmetalle mit anderen, z. T. unedlen Elementen, vermischt. Dazu sollten Sie wissen, dass es durchaus Schmuckstücke aus reinen Metallen gibt. Diese sind von ihrer Gestaltung und von ihrer Verwendung her darauf ausgelegt. Im Normalfall sind die Edelmetalle wie Gold, Platin und Silber aber zu weich, um in reiner Form als Schmuckstück verwendet zu werden. Stellen Sie sich hier den Nadelstiel einer Brosche aus Feinsilber vor - viel zu weich, um seiner Aufgabe gerecht werden zu können.

Ziel beim Legieren ist also, die gewünschten Eigenschaften wie z. B. Festigkeit, Abrieb, Farbe usw. durch Hinzufügen von anderen Elementen zu beeinflussen - den edlen Charakter des jeweiligen Edelmetalls aber soweit wie möglich zu erhalten.

Ein schönes Beispiel für die Veränderung der Eigenschaft ist die Härte. Bei Feingold liegt sie zwischen 18,5 und 25 HB. Fügt man dem Golde nur etwas Kupfer und Silber hinzu, läßt sich die Härte um das siebenfache und darüberhinaus steigern!

Was die Zahlen aussagen…

Eine Verpflichtung zum Stempeln von edelmetallhaltigen Gegenständen schreibt der dt. Gesetzgeber nicht vor. Wenn aber gestempelt werden soll, muß seit 1888 der in tausend Teilen angegeben werden (vergl. dazu Gesetz über den Feingehalt…).

Das heißt, wenn ein Schmuckstück einen 750er Stempel enthält, müssen von eintausend Teilen 750 Teile aus Gold sein. Die Fehlergrenze nach unten darf laut Gesetz bei Schmucksachen 10‰ betragen. Die hinzugefügten Metalle wie Silber und Kupfer werden nicht gestempelt und bleiben unberücksichtigt.

Frühere Angaben in Karat (für Goldwaren) und Lot (für Silberwaren), welche geschichtlich gesehen auf die „Kölnische Mark“ zurück gehen, sind seither unzulässig.

Die unten stehende Tabelle stellt die häufig verwendeten Legierungen einander gegenüber. Dabei entsprechen 24 Karat 1.000 Teilen und 16 Lot 1.000 Teilen. Die heute gebräuchlichsten Legierungen sind hervorgehoben.

Gold- und Silberlegierungen: Früher und heute
Gold Silber
Karat tausendteile Lot tausendteile
24 1.000 16 1.000
23,5 979,2 15,6 975
18 750 15 937,5
14,04 585 14,8 925
14 583,33 14 875
9 375 13,36 835
8 333,33 12,8 800
6 250 12 750

Ist es Ihnen aufgefallen? Auch heute noch sagen wir umgangssprachlich „14 karätiges Gold“ und meinen damit eigentlich 585er Gold. Dabei würde es sich tatsächlich um einen Goldgehalt von nur 583,333 handeln!

Stereotype Werbeaussagen

Stereotype Werbeaussagen wie

»Platin ist das edelste aller Edelmetalle«

zeugen vom fehlenden Wissen der Autoren und gehören in das Reich der märchenhaften Werbung. So wurde und wird diese Aussage gern ungeprüft als verkaufsfördernede Maßnahme in auch ansonsten eher nichts sagende Texte eingewoben. Die Warheit ist, dass Gold das edelste aller Edelmetalle mit einem elektrochemischen Normalpotential von 1,5 V ist. Platin hingegen hat nur ein elektrochemisches Normalpotential von 1,12 V.

Der Satz

»Platin ist das kostbarste aller Edelmetalle«

dient als Alleinstellungmerkmal und zur Unterstreichung der absoluten Exklusivität der ansonsten eher schlicht gehaltenen Massen-Produkte.

Sie sollten darauf mit einem müden Lächeln reagieren…

…und sich nur aufgrund dieser Aussagen nicht zu einem Kauf hinreißen lassen. Platin kommt auf der Erde genauso häufig (oder selten) vor, wie Gold! Platin fällt heute als wilkommenes Nebenprodukt bei der Gewinnung von Nickel an und wird nur noch selten direkt abgebaut.

Platin wird mit dem höchsten Reinheitsgrad aller Edelmetalle verarbeitet.

Auch diese Aussage für sich allein genommen ist falsch! So werden Gold und Silber durchaus als reine Elemente zu Schmuck verarbeitet. Sogar in Form von Legierungen übertreffen Gold und Silber das als hochrein herausgestellte 950 Platin. So hat zum Beispiel Email-Silber einen Feingehalt von 975. Seit dem Jahr 2007 werden darüber hinaus von einer großen Scheideanstalt Platinlegierungen mit Feingehalten von 585 und 750 angeboten. Nicht zuletzt aufgrund ihrer preislichen Attraktivität erfreuen sich diese Legierungen wachsender Beliebtheit.

Werden Sie misstrauisch, wenn Sie derartiges lesen oder hören!

Diese Werbeaussagen gehören in den Bereich der Mythen und Sagen. Sie werden wieder und wieder von einander abgeschrieben - was ihren Inhalt jedoch der Wahrheit nicht näher bringt. Derartigem sollten Sie sehr kritisch gegenüber stehen! Sollte Ihnen beispielsweise jemand 950 Platin-Trauringe anbieten, fragen Sie nach der Legierungszusammensetzung. Handelt es sich um eine Platin-Kupfer oder Platin-Cobalt-Legierung, lassen Sie besser die Finger davon. Sie werden daran keine rechte Freude haben, da diese Legierungen viel zu weich für die harten Anforderungen des Trauring-Alltags sind. Kann Ihnen Ihr Gegenüber gar keine Angaben bezüglich der Zusammensetzung machen, sollten Sie sich spätestens an dieser Stelle überlegen, ob Sie tatsächlich im richtigen Geschäft sind. Fachgeschäfte wissen, was sie ihren Kunden anbieten.

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