Diamant
Mythos
Ein Brillant ist zwar ein Diamant – ein Diamant ist aber noch lange kein Brillant. Und nicht alle Diamanten werden zu Brillanten geschliffen. Es ist nur einer aus einer Reihe von möglichen Schliffen. Erst ein Schliff läßt den eher unscheinbaren Kiesel sein Feuerwerk von Licht und Farbe entfachen. Aber bis dahin ist es ein weiter Weg.
Wir wissen nicht genau, wann der Mensch die ersten Versuche, einen Diamanten zu schleifen, unternommen hat. Bereits der Versuch, dieses zu tun, hat sicher zum Mythos Diamant beigetragen. Seine ungeheure Härte ist mit nichts auf dieser Welt zu vergleichen. In einigen Kulturen der Menschheit galt es gar als Frevel, einen Diamanten schleifen zu wollen. Er ritzt alles andere und alles andere vermochte nicht, ihn zu ritzen. Damit wurde er zum Unbezwingbaren, zu (gr.) adamas.
Diamant in seiner schönsten Form
Die wohl schönste Form eines Diamanten - perfekt geschliffen und zu Schmuck (-Unikaten) verarbeitet...
Diamant — Eigenschaften und Entstehung
Er besteht zu einhundert Prozent aus kristallisiertem Kohlenstoff. Es ist das härteste natürliche Material, das wir kennen. Die Mohshärte ist 10. Oder anders ausgedrückt, Diamant besitzt eine Schleifhärte von 140.000. Zum Vergleich: Quarz hat eine Schleifhärte von nur 120. Die Lichtbrechung des Diamanten liegt bei 2,417 – 2,419 und ist damit sehr hoch. Er besitzt ferner einen starken Glanz und eine auffällige Dispersion (0,044).
Damit der Diamant entstehen konnte, vermutet man einen Druck von circa 71.000 bar und rund 1.300° Celsius. Diese Bedingungen herrschen in Tiefen von 150 – 200 Kilometern. Und daher stammt er. Aus dem Inneren unserer Erde. Ein Vulkanausbruch brachte ihn vor über 100 Millionen Jahren an die Erdoberfläche.
Woher?
Diamanten gibt es nicht überall auf der Welt. Nur dort, wo es den sog. yellow ground (gelblicher Kimberlit) gibt, kann man hoffen, sie zu finden. Der yellow ground ist das Verwitterungsprodukt des blue ground, welcher wiederum eine Zwischenstufe zum hard ground darstellt - grauem Kimberlit, dem sehr harten vulkanischen Tuffgestein. Diamanten werden hier bergmännisch abgebaut, zum Teil mit enormen maschinellem Einsatz. Neben diesen primären Lagerstätten gibt es die sekundären. Stellen, an denen sich das vom Wind, Eis und Wasser abgetragene Material verstärkt abgelagert hat. Diese sogenannten Seifenlagerstätten gibt es z. B. in Namibia. Andere wichtige Fundländer sind Zaire, Venezuela, Ghana, Rußland und Australien. Die Geologen vermuten auch in Kanada größere Vorkommen. Sogar auf dem Meeresgrund wird nach Diamanten gesucht. Von den gewonnenen Steinen sind in der Regel nur fünf bis zehn Prozent von guter Qualität. Große Steine sind entsprechend selten.
Da Kohlenstoff auch außerhalb unserer Erde vorkommt, findet man im Gestein von Kometen ebenfalls Diamant. Forscher vermuten in den Weiten des Raums unvorstellbar große Vorkommen.
Kaufen – Verkaufen: Diamanthandel
Ist der Rohstein gefunden, ist sein Weg vorbestimmt. Bis vor ein paar Jahren wurden etwa 85 Prozent aller in der Welt geförderten Diamanten von einem Mammutunternehmen kontrolliert: De Beers. Dieser Name ist untrennbar mit Diamanten verbunden. Eine Vielzahl von Verbänden, Handelsgesellschaften und Diamantproduktionsfirmen, eng miteinander verzahnt, sorgte seit Jahrzehnten dafür, dass der Wert stets auf einem hohen Niveau blieb. So gab es seit über einhundert Jahren keine größeren Einbrüche. Der Marktanteil des Unternehmens ist jedoch mit der Erschließung neuer Lagerstätten und durch andere Umstände stetig zurück gegangen. So schätzt man, dass heute mehr als sechzig Prozent der Steine aus anderen Quellen kommen.
Die Rohware wird nach London verbracht, bewertet und sortiert und zu sogenannten Lots (auch box genannt) zusammen gestellt. Diese Mischungen aus unterschiedlichsten Diamant-Qualitäten werden in bestimmten Zeitabständen an ausgesuchte Firmen zu Festpreisen verkauft, welche die Ware ihrerseits auf den internationalen Diamantbörsen zum Verkauf anbieten. Dieses Verfahren ist sehr streng reglementiert und trägt so zum Diamant-Mythos bei.
Man sagt, er sei brillant - der Schliff
Der bekannteste Schliff des Diamanten ist der Brillantschliff. Rund, symmetrisch und mit mindestens 57 Facetten, welche in ganz bestimmten Winkeln zueinander angeordnet sind. Das Ergebnis eines Brillant-Schliffs ist so überzeugend, dass das Wort brillant schnell Einzug in unsere Sprache fand.

Wenn die Rohsteine von den Diamant–Börsen in die Werkstätten der Schleifer gelangen, so werden sie zunächst sehr genau untersucht. Kein Stein ist wie der andere. Die meisten Kristalle sind Oktaederförmig. Daneben gibt es Würfel und Rhombendodekaeder. Häufig wird versucht, die natürliche Form des Kristalls möglichst vollständig auszunutzen. Dieses Vorgehen bewirkt zwar ein höheres Endgewicht, führt aber zu eher unbefriedigenden Proportionen. So kommt es manchmal zu Kompromißlösungen. Gerade die Proportionen eines Brillanten sind aber neben einem perfekten Finish maßgeblich für das Feuer des Steins.
Nun geht es an das Teilen des Diamanten. In früherer Zeit erfolgte dies ausschließlich durch einen kuzen Schlag mit dem Spalteisen. Im Idealfall zerfällt der Stein dabei in zwei Teile mit spiegelglatten Oberflächen. Allerdings kann er auch komplett zerstört werden, weshalb man zu Anfang diesen Jahrhunderts mehr und mehr zum Sägen überging. Für einen Einkaräter braucht die hauchdünne Kreissäge ca. 5 bis 8 Stunden. Man hat diese Vorgänge heute automatisiert. In langen Reihen stehen Sägeautomaten nebeneinander.
Mit der Technologie von heute können Diamanten auch per Laser geteilt werden. Ganz sicher ein Verfahren, das zukünftig an Bedeutung gewinnen wird. Letztlich obliegt es dem erfahrenen Schleifer, welche Methode er anwendet.
Ist die Teilung gelungen, geht es mit dem Reiben weiter. Gegen einen rotierenden wird ein weiterer Diamant gedrückt. Auf diese Weise entsteht die spätere Form. Diamant kann immer nur mit Diamant bearbeitet werden. Und das auch nur, weil er in den verschiedenen Richtungen unterschiedlich hart ist.
Auf einer horizontal liegenden Stahlscheibe, die sich zwei bis dreitausend mal pro Minute dreht, werden die Facetten angeschliffen. Die Arbeit des Diamantschleifers endet schließlich mit der Politur des Steins.
Bemerkenswert ist hier, das die Schleifer Steine, die kleiner als ein Millimeter im Durchmesser sind, dennoch mit dem Brillantschliff versehen können: 57 Facetten auf kleinstem Raum, wahrhaftig kleine Meisterwerke!

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Vier mal C gleich Wert
Um den Wert eines facettierten Diamanten zu bestimmen, dienen die sogenannten 4 C als Grundlage einer jeden Bewertung. Der zu zahlende Preis setzt sich aber nicht nur aus der Summe der nachfolgenden Komponenten zusammen. So spielen auch die Devisenbewegungen an den internationalen Börsen eine gewichtige Rolle.
- colour — die Farbe
- clarity — die Reinheit
- cut — der Schliff
- carat — das Gewicht
colour — die Farbgraduierung
Die häufigsten Farben bei Diamanten sind gelbliche Töne. Diese werden zusammen mit den farblosen bewertet. Farbige Diamanten, sogenannte fancy diamonds, werden gesondert behandelt und erziehlen Liebhaberpreise. Es gibt sie in purpur, rot, blau, braun, gelb, grün und schwarz.
Die Begriffe und Definitionen im Diamanthandel sind auch heute leider immer noch uneinheitlich. Verschiedene Institutionen haben unterschiedliche Richtlinien erarbeitet. Diese sind in der folgenden Tabelle einander gegenübergestellt.
| CIBJO | IDC | GIA | alte Bezeichnung | RAL 560 A5E |
|---|---|---|---|---|
| Hochfeines Weiß+ Hochfeines Weiß |
Exceptional white+ Exceptional white |
D E |
River | Blauweiß |
| Feines Weiß+ Feines Weiß |
Rare white+ Rare white |
F G |
Top Wesselton | Feines Weiß |
| Weiß | White | H | Wesselton | Weiß |
| Leicht getöntes Weiß+ Leicht getöntes Weiß |
Slightly tinted white | I J |
Top Crystal | Schwach getöntes Weiß |
| Getöntes Weiß+ Getöntes Weiß |
Tinted white | K L |
Crystal | Getöntes Weiß |
| Getönt 1 | Tinted color 1 | M N |
Top Cape | Schwach gelblich |
| Getönt 2 | Tinted color 2 | O P |
Cape | Gelblich |
| Getönt 3 | Tinted color 3 | Q R |
Light Yellow | Schwach gelb |
| Getönt 4 | Tinted color 4 | S – Z | Yellow | Gelb |
clarity — die Reinheitsgraduierung
Als inclusion bezeichnet man Risse, Wachstumserscheinungen und eingeschlossene Mineralien. Als lupenrein gelten Diamanten, bei denen mit zehnfacher Vergrößerung keine Fehler entdeckt werden. Große Einschlüsse wirken störend auf die Brillanz und mindern den Wert erheblich.
| CIBJO | Erklärung | GIA | ||
|---|---|---|---|---|
| Keine äußeren und inneren Merkmale und absolut transparent. | fl | flawless | ||
| Lr | Lupenrein | Bei zehnfacher Vergößerung frei von inneren Merkmalen und absolut transparent. | if | Internally flawless |
| VVS | Sehr, sehr kleine Einschlüsse | Sehr, sehr kleine Einschlüsse, bei zehnfacher Vergrößerung nur sehr schwer zu erkennen. | vvs 1 vvs 2 |
Very very slightly included |
| VS | Sehr kleine Einschlüsse | Sehr kleine Einschlüsse, bei zehnfacher Vergrößerung schwer zu erkennen. | vs 1 vs 2 |
Very slightly included |
| SI | Kleine Einschlüsse | Kleine Einschlüsse, bei zehnfacher Vergrößerung leicht zu erkennen. | si 1 si 2 |
slightly included |
| P I | Deutliche Einschlüsse | Einschlüsse, bei zehnfacher Vergrößerung sofort erkennbar, die Brillanz nicht mindernd. | I 1 | imperfect I |
| P II | Größere Einschlüsse | Größere und/oder zahlreiche Einschlüsse, die Brillanz schwach mindernd. Mit bloßem Auge erkennbar. | I 2 | imperfect II |
| P III | Große Einschlüsse | Große und/oder zahlreiche Einschlüsse, die Brillanz erheblich mindernd. | I 3 | imperfect III |
cut — die Schliffgraduierung
Bei der Bewertung des Schliffs geht man in Deutschland vom sog. Feinschliff–Brillanten aus. Vereinfacht gesagt, alles, was von dieser Norm abweicht, stellt eine Minderung dar. Es kann hier zu Preisunterschieden von bis zu fünfzig Prozent kommen, wenn z. B. zwei ansonsten gleiche Steine bewertet werden. Der Schliff ist für das Feuer eines Steins maßgeblich. So kann der eine geradezu leblos wirken, während aus dem anderen scheinbar Funken sprühen. Die folgende Tabelle gibt eine sehr vereinfachte Bewertung wieder.
| RAL 560 A5E | Definition |
|---|---|
| Sehr gut (very good) |
Hervorragende Brillanz. Wenige oder nur geringfügige äußere Merkmale. Sehr gute Proportionen. |
| Gut (good) | Gute Brillanz. Einige äußere Merkmale, Proportionen mit geringen Abweichungen. |
| Mittel (medium) |
Brillanz gemindert. Mehrere größere äußere Merkmale. Proportionen mit erheblichen Abweichungen. |
| Gering (poor) | Brillanz erheblich gemindert. Große und/oder zahlreiche äußere Merkmale. Proportionen mit sehr deutlichen Abweichungen. |
carat — das Gewicht
Das Gewicht eines Diamanten wird in carat angegeben. Ein carat, das sind 200 Milligramm oder 0,2 Gramm. Die Geister scheiden sich, was letztlich für die Namensgebung Pate stand. Die einen sagen, es ist das Samenkorn des afrikanischen Korallenbaums, Kuara. Die anderen meinen, es muß der Fruchtkern des Johannisbrotbaums sein, griechisch keration. In der Praxis verwendet man für Kleinstdiamanten auch das „Punkt–System“. Hier sind einhundert Punkte ein carat. Zu einem Stein, der 0,03 carat wiegt, sagt man folglich Dreipunkter.
Der Preis nimmt bei Diamanten progressiv zu. Wenn also z. B. ein Stein, welcher 0,20 ct wiegt, EUR 750 kostet, dann kostet ein 0,40 ct schwerer Stein nicht etwa EUR 1.500, sondern EUR 2.400.
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