Goldschmiede
Mein Handwerk…
…ist das Goldschmieden. Ein Handwerk, aus dem im Laufe der Jahrhunderte weitere entstanden: Schmiede, Edelsteinschleifer und -fasser, Graveure, Elfenbeinschnitzer und einige mehr. Es vereint auf wunderbare Weise die Bereiche der Naturwissenschaften mit den kulturellen Aspekten der jeweiligen Zeit. Es entstanden und entstehen Schmuckstücke sowie Objekte, welche den Zeitgeist und die technischen Errungenschaften der Kulturen wiedergeben. Die Edelmetalle, so wertvoll sie auch sein mögen, die Edelsteine, so schön sie auch sein mögen - ohne die schmiedende Hand gäbe es keine Piratenschätze und Könige und Königinnen würden sicher keinen Goldbarren auf ihren Häuptern tragen.
Als Meister…
…wollte ich das Wissen zum Fortbestand des Handwerks an junge Menschen weiter geben. Die 3½ jährige Ausbildung ist die wichtigste Grundlage des Berufes. Einen Ausbildungsplatz werde ich jedoch nicht mehr zur Verfügung stellen. Die Gründe hierfür finden sich in der Neufassung der Handwerksordnung. Danach ist der Beruf Goldschmied zulassungsfrei!
Gesellschaftlich so gewollt
Nach der Novellierung der Handwerksordnung kann jeder diesen Beruf ausüben und als selbständiges Handwerk betreiben. Es ist keine qualifizierende Ausbildung mehr nötig. Eine politische und damit gesellschaftliche Entscheidung mit weitreichenden Folgen – eine Ausbildung als Goldschmied und die damit verbundenen Prüfungen sind von nun an als unnötige Hürde anzusehen – eine Ausbildung ist damit sinnfrei…
Mit meiner Entscheidung, keinen Ausbildungsplatz mehr zur Verfügung zu stellen, bin ich nicht glücklich. Führt sie doch den Begriff »Meister« ad absurdum. Jedoch bedeutet die konsequente Umsetzung der Novelle für mich die legitime Möglichkeit, meinem Protest gegen diesen Unsinn Ausdruck zu verleihen. Lesen Sie im folgenden meine grundsätzliche Haltung zu diesem Thema.
Die Novelle der Handwerksordnung von 2004 zerstört ein historisch gewachsenes, wirtschaftlich starkes, kulturell wertvolles Gut der Handwerkskunst in der Bundesrepublik. Sie höhlt das überall auf der Welt als Vorbild geltende duale Ausbildungssystem aus.
Der Meistertitel verkommt zu einem Prestigeobjekt, anstatt für das zu stehen, was er eigentlich sein sollte: Garant für die meisterliche Beherrschung des Handwerks, die Weitergabe des Wissens an den Nachwuchs und den stetigen Willen, sich fortzubilden. Gerade in der heutigen Zeit sind Werte wie diese stärker gefordert denn je!
Die Novellierung in 2004 erfolgte auch nicht mit letzter Konsequenz, so hätte den Gewerken auch die Wahlfreiheit über die Beiträge zu Handwerks-, Industrie- und Handelskammern zugesprochen werden müssen. Ein deutliches Zeichen für eine völlig übereilte Reaktion der damaligen Bundesregierung.
Mario Sarto
Handwerk auf dem Weg zum Schafott

Nahezu unbemerkt von der Öffentlichkeit fanden diese Vorgänge statt. So glauben noch heute einige Goldschmiede, Uhrmacher, Estrichleger oder Schneidwerkzeugmechaniker, dass zum Betreiben ihres Gewerks doch mindestens ein Gesellenbrief nötig sei. Ein Anruf bei der zuständigen Handwerkskammer wird sie jedoch schnell vom Gegenteil überzeugen.
Der Begriff Goldschmied ist nicht (mehr) geschützt. Jeder kann eine Goldschmiede eröffnen, Edelmetalle und -steine verarbeiten und als Schmuck veräußern. Ob gelernt oder ungelernt, was dabei heraus kommt, ist sekundär. Geblieben ist der Beitrag, den der Schmuckschaffende an die Handwerkskammern abführen muß. Wer sich zum Meister fortbilden will, der kann das tun — er muß aber nicht. Damit entfällt die Verpflichtung, sich fortbilden zu müssen. Zugangsbeschränkend habe sich der in Verruf geratene Titel ausgewirkt. Das sehe ich anders! Besonders in Bezug auf die Ausbildung unseres Nachwuchses. Das duale System wird allerorten gepriesen und als Vorbild angesehen. Ohne Meisterinnen und Meister ist sein Untergang besiegelt. Hier wird es in absehbarer Zeit zu herben Defiziten kommen.
Der freie Markt, so die Kritiker des Meistertitels, wird es schon richten. Jemand, der schlecht arbeitet, wird nicht lange am Markt präsent sein. Welche Schäden dieser aber bis zu seinem Abgang verursacht, bleibt unausgesprochen. Sie, liebe Leserinnen und Leser müssen sich also in Zukunft sehr genau umsehen, wem Sie Ihren Schmuck anvertrauen.